Durch Corona fallen viele Aktivitäten aus – bleibt oft nur noch die Schwester oder der Bruder zum Spielen. Dabei gehen schnell einmal die Wogen hoch. Das ist normal. „Aber für viele Eltern sind die Kabbeleien und oft emotionalen Streitigkeiten frustrierend und herausfordernd“, sagt Christina Kern, Mitarbeiterin im SOS-Kinderdorf Altmünster. Die Expertin gibt Tipps, um eine gute Beziehung unter Geschwistern zu fördern. Sie sagt: Geschwisterbeziehungen sind die längsten Beziehungen, die Menschen haben. Sie bauen sich über Jahre auf und gehen wegen eines Spielzeugstreits nicht gleich zu Brüche. (Bild zur Verwendung nur im Kontext der SOS-Kinderdörfer weltweit.) / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/1658 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke unter Beachtung ggf. genannter Nutzungsbedingungen honorarfrei. Veröffentlichung bitte mit Bildrechte-Hinweis.

 

 

München (ots) – Durch Corona fallen viele Aktivitäten aus – bleibt oft nur noch die Schwester oder der Bruder zum Spielen. Dabei gehen schnell einmal die Wogen hoch. „Für viele Eltern sind die Kabbeleien und oft emotionalen Streitigkeiten frustrierend und herausfordernd“, sagt Christina Kern, Mitarbeiterin im SOS-Kinderdorf Altmünster. Die Expertin gibt Tipps, um eine gute Beziehung unter Geschwistern zu fördern.

#1 Wieder was gelernt

Geschwister sind sich nicht immer einig und beginnen oft aus heiterem Himmel zu streiten. Das ist normal und sogar wichtig für ihre Entwicklung. Bei einem Streit unter Geschwistern lernen Kinder viel für später – sie entwickeln einen Gerechtigkeitssinn, stehen für ihre Meinung ein und üben, Kompromisse zu schließen. Auch wenn es oft anstrengend ist: Halten Sie Auseinandersetzungen aus und versuchen Sie, die positiven Aspekte zu sehen.

#2 Streiten, aber richtig

Entwickeln Sie mit Ihrer Familie eine positive Streitkultur. In der Familie können Kinder in sicherem Umfeld lernen, mit Konflikten umzugehen. Stellen Sie dazu gemeinsame Regeln auf wie etwa, dem Gegenüber zuzuhören und dass körperliche Angriffe tabu sind. Bei größeren Streits lohnt sich eine Nachbesprechung, wenn die Gemüter etwas abgekühlt sind. Ermutigen Sie Ihre Kinder, sich in die anderen hineinzuversetzen: „Wie fühlst du dich jetzt? Und wie glaubst du, fühlt sich deine Schwester?“ Und ermuntern Sie Ihre Kinder, nach einem Streit aufeinander zuzugehen. So lernen sie von Klein auf, dass Streiten okay ist und man sich danach noch genauso gernhaben kann wie vorher.

#3 Wann eingreifen?

Eltern sollten nicht immer sofort als Streitschlichter:innen einschreiten. Kinder können viele Meinungsverschiedenheiten alleine klären. Wenn Ihre Kinder auf Sie zukommen, nehmen Sie den Streit ernst und versuchen Sie mit Fragen, zur Lösung beizutragen. Oft hilft es, für alle nachvollziehbare Abmachungen zu treffen. Legen Sie etwa fest, wer wie lange mit einem bestimmten Spielzeug spielen darf.

#4 Ich bin ich.

Kinder neigen dazu, sich zu vergleichen. Vermitteln Sie Ihren Kindern, dass jeder wertvoll ist, so wie er ist. Es kommt nicht darauf an, wer in einem Schulfach, einer Sportart oder einem Spiel besser ist. Alle werden mit ihren individuellen Eigenschaften geliebt. Das fördert die Entwicklung der eigenen Identität und eines gesunden Selbstwerts. Bestärken Sie Ihre Kinder, eigenen Interessen nachzugehen. Nur weil der große Bruder Fußball spielt, muss das nicht automatisch das passende Hobby für den Jüngeren sein.

#5 Geschwisterbeziehungen stärken

Beziehen Sie Ihre Kinder in die Planung von Alltag und Freizeit mit ein. Ein gemeinsamer Wochenplan kann dabei helfen. Je nach Alter der Kinder können Sie dafür Symbole verwenden. Nehmen Sie die Bedürfnisse und Wünsche aller ernst und finden Sie gemeinsame Interessen: Welche Ausflüge oder Spiele in der Wohnung machen allen Spaß? Auch größere Erledigungen sollten von der ganzen Familie gemeinsam gestemmt werden. Zum Beispiel kann jeder beim Frühjahrsputz einen Part übernehmen.

#6 Altersunterschied

Wenn je nach Alter verschiedene Regeln für die Geschwister gelten, kann es zu Eifersucht kommen. Erklären Sie, dass es vom Alter abhängt, was man darf und was noch nicht. So lernen Kinder, was für das jeweilige Alter angemessen ist und freuen sich vielleicht auf manches, das erlaubt ist, wenn man älter ist.

Teenager fühlen sich schnell vernachlässigt, wenn ein kleines Geschwisterchen da ist – auch sie brauchen Aufmerksamkeit und Zuwendung. Vermitteln Sie, dass Sie immer ein offenes Ohr haben und sich für die Themen und Probleme interessieren. Es kann außerdem bestärkend für ältere Geschwister sein, kleinere Aufgaben zu übernehmen: etwa am Abend dem jüngeren Geschwisterchen etwas vorzulesen. Jüngere müssen lernen, Grenzen zu akzeptieren und rücksichtsvoll zu sein, wenn ältere Geschwister mal Zeit für sich brauchen.

#7 Nur du und ich

Kinder brauchen Aufmerksamkeit und treten dabei oft in Konkurrenz zueinander. Bemühen Sie sich um eine Balance zwischen gemeinsamen Aktivitäten und Zeit, die Sie alleine mit einem Ihrer Kinder verbringen. Die ältere Schwester kann vielleicht den Nachmittag bei einer Freundin oder einem Freund verbringen, damit Sie mit dem kleinen Bruder etwas unternehmen können. Und umgekehrt.

#8 Das Gute sehen

Erinnern Sie sich in herausfordernden Zeiten an jene Situationen, in denen die Geschwisterkinder zusammenhalten oder sich gegenseitig beschützen. Das schenkt neuen Mut und Zuversicht. Ein Geschwister-Fotoalbum kann dabei helfen: Sammeln Sie die schönen Momente, die Sie zusammen erleben, und schwelgen Sie gemeinsam in Erinnerungen.

Geschwisterbeziehungen sind die längsten Beziehungen, die Menschen haben. Sie bauen sich über Jahre auf und gehen wegen eines Spielzeugstreits nicht in die Brüche. Seien Sie also unbesorgt: Auch wenn zuhause manchmal die Fetzen fliegen, haben Ihre Kinder sicher noch viele schöne Erlebnisse zusammen und können noch lange auf die vertraute Beziehung unter Geschwistern zurückgreifen.

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Boris Breyer
Stellvertretender Pressesprecher
SOS-Kinderdörfer weltweit
Tel.: 089/179 14-287
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