Präsentierten den DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2020: der Vorstandsvorsitzende Stefan Kölbl (rechts) und Vorstandsmitglied Clemens Klinke (links). / Hohes Unfallrisiko von Zweiradfahrern muss nachhaltig gesenkt werden / DEKRA präsentiert Verkehrssicherheitsreport 2020 / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/6647 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: „obs/DEKRA SE/Thomas Küppers / DEKRA“

 

 

Stuttgart (ots) –

– Unfallzahlen aus Europa und der Welt zeigen großen Handlungsbedarf
– DEKRA gibt konkrete Empfehlungen für mehr Sicherheit
– EU-Kommissarin: „Menschliche Fehler dürfen nicht zum Tod führen“ Ob motorisiert oder nicht motorisiert: Mit dem Zweirad unterwegs zu sein ist nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie absolut „in“. Begleitet wird die Mobilität auf zwei Rädern von einem – im Vergleich zu Pkw, Transporter oder Lkw – deutlich erhöhten Risiko schwerer Unfälle. Als weitestgehend ungeschützte Verkehrsteilnehmer haben Zweiradfahrer bei einer Kollision meist das Nachsehen. „Um nachhaltig gegenzusteuern, gibt es eine ganze Reihe von Ansatzpunkten“, sagte Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE, bei der Vorstellung des DEKRA Verkehrssicherheitsreports 2020. Neben diversen Maßnahmen etwa in Sachen Technik und Infrastruktur seien dabei auch die Verkehrsteilnehmer selbst gefragt. „Wir alle stehen in der Pflicht, durch risikobewusstes Verhalten und die Einhaltung von Vorschriften und Sicherheitsstandards dazu beizutragen, dass die Zahl der Unfälle mit verunglückten Motorrad-, Moped-, Fahrrad-, Pedelec- und E-Scooter-Fahrern weiter sinkt“, so Klinke.

„Verkehrssicherheit hat für mich höchste Priorität“, so EU-Verkehrskommissarin Adina Valean in einer Videobotschaft. „Wir dürfen nicht nachlassen, bis wir unser Ziel erreichen: Null Verkehrstote und null Schwerverletzte auf den Straßen der EU bis 2050.“

Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2020 betone zu Recht die Bedeutung von menschlichem Fehlverhalten bei Unfällen mit Zweirädern, sagte die Kommissarin. „In der Tat spielen solche Fehler eine große und oftmals tragische Rolle. Aber wir müssen bedenken, dass es menschlich ist, Fehler zu machen. Fehler sollten nicht zum Tod oder schweren Verletzungen führen“, betonte sie die Bedeutung von sicherer Infrastruktur und Fahrzeugtechnik.

Weltweit machen seit Jahren die Fahrer von motorisierten und nicht motorisierten Zweirädern rund 25 Prozent der getöteten Verkehrsteilnehmer aus. Ähnlich ist die Situation in der EU, wobei 2019 zum Beispiel in Deutschland etwa ein Drittel der Verkehrstoten bei Unfällen mit dem Fahrrad oder dem Kraftrad zu verzeichnen waren. Schon diese wenigen Zahlen zeigen, dass beim Thema Verkehrssicherheit von Zweiradfahrern nach wie vor großer Handlungsbedarf besteht, zumal die Mobilität auf zwei Rädern in den nächsten Jahren tendenziell noch weiter zunehmen wird.

Das gilt für Krafträder – ob als Freizeitgefährt oder für den Weg zur Arbeit – und vor allem auch für Fahrräder mit und ohne elektrische Unterstützung. „Als Verkehrsteilnehmer ohne schützende Fahrgastzelle laufen Zweiradfahrer bei Alleinunfällen und vor allem auch bei Kollisionen mit anderen Fahrzeugen immer Gefahr, schwere oder sogar tödliche Verletzungen davonzutragen“, gab Klinke im Rahmen eines Digitalevents in der Konzernzentrale von DEKRA in Stuttgart zu bedenken. Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2020 zeigt auf, wo es anzusetzen gilt.

Für Unfälle von und mit Zweiradfahrern sind mangelndes Risikobewusstsein, Missachtung der Verkehrsregeln, überhöhte Geschwindigkeit, Fahren unter Alkoholeinfluss, Ablenkung und mangelnde Rücksichtnahme gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern in hohem Maße mitverantwortlich. „Das müsste nicht sein“, mahnte der DEKRA Vorstand an, „denn durch verantwortungsbewusstes Verhalten, Interaktion und Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmern sowie die richtige Einschätzung der eigenen Fähigkeiten lässt sich effizient gegensteuern.“

Ein zentraler Sicherheitsfaktor ist außerdem das Tragen eines geeigneten Helms. Das gilt insbesondere auch für Radfahrer, die damit bei einem Unfall – wie von DEKRA durchgeführte Schlagprüfungen eindrücklich untermauerten – das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich reduzieren können.

Mehr Sicherheit durch Assistenzsysteme und gut ausgebaute Infrastruktur

Speziell bei motorisierten Zweirädern rücken auch Systeme der aktiven Sicherheit immer stärker in den Fokus. Schon seit 2017 darf EU-weit kein Motorrad ohne Antiblockiersystem (ABS) mehr neu zugelassen werden. Das ABS verhindert ein Blockieren der Räder und führt dazu, dass ein Motorrad vor allem bei Vollbremsungen oder bei starkem Verzögern auf rutschigem Untergrund wesentlich sicherer zum Stehen kommt und in Grenzbereichen der Fahrphysik besser kontrollierbar bleibt. Vor allem wird das Blockieren des Vorderrads verhindert, das in aller Regel zum Sturz führt. Motorradfahrer können so mit maximaler Kraft die Bremse betätigen. Inzwischen gibt es auch schon technische Weiterentwicklungen der ABS-Technik für Motorräder in Richtung einer elektronischen Stabilitätskontrolle.

Kommt es trotz aller Systeme der passiven und aktiven Sicherheit zu einem Unfall mit Verletzten, entscheidet unter Umständen ein frühzeitig abgesetzter Notruf gerade bei schweren Verletzungen über Leben und Tod. Parallel zu einer Reihe von anderen Fahrzeugkategorien ist deshalb auch bei neuen Motorrad-Modellen mit EU-Typgenehmigung nach dem 31. März 2018 der eCall ein verpflichtender Bestandteil. Wenn der Fahrer nach dem Unfall nicht selbst Hilfe rufen kann, kann ein eCall-System wie beim Pkw die Rettungskette schneller aktivieren und den Unfallort genau lokalisieren.

Neben der Fahrzeugtechnik und dem Faktor Mensch trägt auch die Infrastruktur einen großen Teil zur Verkehrssicherheit bei. Optimierungspotenzial bieten dabei eine ganze Reihe von Maßnahmen – darunter etwa die Entschärfung von Gefahrenstellen, die Instandhaltung von Straßenausstattungen beziehungsweise ein verkehrssicherer Zustand der Fahrbahndecke, gezielte Geschwindigkeitsüberwachung an Unfallschwerpunkten, die Installation geeigneter Schutzplanken, der Ausbau von Radwegen und vieles mehr. „Grundsätzlich ist eine nachhaltige Infrastruktur- beziehungsweise Verkehrswegeplanung aber nur mit einer langfristigen Herangehensweise möglich“, betonte Clemens Klinke in Stuttgart.

Der neueste DEKRA Verkehrssicherheitsreport steht online unter www.dekra-roadsafety.com (http://www.dekra-roadsafety.com) zum Download zur Verfügung. Dort finden sich außerdem weitergehende Inhalte zum gedruckten Report, etwa in Form von Bewegtbildern oder interaktiven Grafiken.

Zehn ausgewählte DEKRA Forderungen für mehr Verkehrssicherheit

– Nutzer von motorisierten und nicht motorisierten Zweirädern sollten immer einen geeigneten Helm tragen.
– Alle Zweirad-Nutzer sollten sich bewusst machen, wie wichtig aktive und passive Beleuchtungseinrichtungen für ihre Sicherheit sind.
– Für ein besseres Miteinander sollten alle Verkehrsteilnehmer über die geltenden Regeln im Zusammenhang mit dem Fahrradverkehr aufgeklärt werden.
– Im Grundschulalter sollten Kinder eine Fahrradausbildung durchlaufen, um grundlegende Verkehrsregeln möglichst früh zu erlernen.
– Die periodische Fahrzeugüberwachung auch für Motorräder sollte – nicht nur in Europa – Standard werden.
– Motorrad-ABS sollte weitere Verbreitung finden – gegebenenfalls auch durch eine Ausrüstungsvorschrift für kleinere Krafträder.
– Software-Manipulationen an Pedelecs sollten weiter erschwert und konsequent geahndet werden.
– Fahrräder und E-Scooter in Verleihsystemen sollten regelmäßig und unabhängig auf ihre technische Sicherheit hin untersucht werden.
– Auch für die Nutzung von E-Scootern sollten strenge Alkoholgrenzen gelten und deren Einhaltung überwacht werden.
– Die Infrastruktur sollte für alle Verkehrsteilnehmer ausgebaut und erhalten werden. Für die Sicherheit von Radfahrern ist insbesondere auch die Instandhaltung von Radwegen entscheidend. Pressekontakt:

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